Ausgehtipps, Bremen

Will happiness find me | Über den Glücksdruck der Gesellschaft

Du sollst mehr von dem machen, was du liebst. Bleib im Flow und entspanne dich. Aber nicht immer nur. Sei effizient, im Glück und in der Arbeit. Das Glück lauert irgendwo. Prüfe genau, ob es das jetzt wirklich schon gewesen ist. Vielleicht gibt es noch eine bessere Beziehung, einen besseren Yogakurs, einen wirkungsvolleren Detox-Tee. Wird dich das Glück finden? Will happiness find me?

Findet es dich, mich? Das Glück? Dann reflektiere bitte, dass du glücklich bist. Prüfe das schnellstmöglich! Und teile dein Glück. Teile es technisch über Bilder mit anderen, damit sie unglücklicher werden, weil du glücklicher wirst. Nein, Quatsch, natürlich freuen sich alle für dich. So schau‘ dich um, ob nicht jemand glücklicher in seiner Wohnung ist, weil sie schöner als deine ist. Du kannst etwas tun. Du musst etwas tun. Die Postkarte mit dem Glücksspruch, dem Konfetti im Leben und dem Kaffee am Morgen. Sie alle umzingeln dich in dieser Welt. Das ist Druck. Glücksdruck. Ab wann ist es Glück, diese happiness? Wo fängt es an? Ist es jetzt viel schwieriger, glücklich zu sein, jetzt wo wir all das inszenierte Glück sehen und umzingelt werden von eigenen und fremden Erwartungen?

Was passiert in „Will happiness find me“?

Grüne Parzellen und eine knallige kunstrasigengeschmückte Rampe zieren für die nächsten anderthalb Stunden die Bühne. Manch eine grüne Zelle schwebt in der Luft, der weiße Zaun unabdingbar. Alle Zellen sind eckig und doch nicht gleichförmig. Der Zaun hat keine Jägerform, kommt aber sehr ordentlich daher. Vorn noch ein wenig Erde und ein abgerocktes Sofa. Die beiden Musiker*innen Suetzsu und jayrope sitzen als Zaungäste in einem Balkon, alles überblickend. Sie werden in den nächsten neunzig Minuten unsere Herzen musikalisch in Hitze- und Kältebäder tauchen. Mensch und Goldbär werden Freunde. Der Enthusiasmus verbindet die beiden. Zweisamkeit im Urlaub als höchstes Glück. Kann so schön sein, dass die gleichen Rituale unendlich oft wiederholt werden. Andere verbinden sich. Das Netzwerk macht die Gruppe blind oder manchmal gleichgesteuert. Eine eingeschworene Truppe. Eine sich neckende Truppe. Aber Glück geht nicht ohne Unglück. Wir stolpern in dystopische Andeutungen. Bemitleiden die kontaminierten Unglücklichen. Aber am Ende ist ein Ausweg immer möglich. Die Gemeinsamkeit schafft einen Glitzermoment. Die Perspektive bietet Irrwege oder Auswege.

„Will happiness find me?“ ist die Frage, die wir uns unbewusst stellen. Die Tanzcompagnie Unusual Symptoms zeigt sich in dieser Spielzeit wieder ganz neu. Nachdem wir durch düstere Stücke wie Crash oder Hiatus verschiedene Zustände von Verzweiflung und Trauer kennen gelernt haben, kehrt mit Will happiness find me der frühere Akika wieder, den wir aus Funny, how oder Penguins & Pandas kennen. Überraschung, List, Freude nicht ohne Trauer.
Tanztheater reflektiert den Zeitgeist. Klingt nach Platitüde. Ist aber um eine Ecke herum einfach wahr. Oft erlebe ich in Stücken, dass ganz kleine Feinheiten der gesellschaftlichen Veränderungen performativ reflektiert werden. Ohne erhobenen Zeigefinger. Und das sonderbare Berührt-Sein, das Unangenehme oder auch die Lacher kommen ganz subtil mit dem Wink zur Situation. Unbedingt sehenswert, dieses Stück.

Besetzung

Will happiness find me: mit Gabrio Gabrielli
Nóra Horváth, Alexandra Llorens, Diego de la Rosa, Karl Rummel, Andor Rusu, Young-Won Song, Antonio Stella

Choreografie Samir Akika
Bühne Karl Rummel
Kostüme Greta Bolzoni
Licht Tim Schulten
Musik Suetzsu, jayrope
Dramaturgie Gregor Runge
Dramaturgische Mitarbeit Anna K. Becker
Choreografische Mitarbeit Andy Zondag

Termine und Karten

Sonntag, 21. April 2019, 18:30 – 20:00 Uhr
Samstag, 11. Mai 2019, 20:00 – 21:30 Uhr

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