Bremen, Inspiration

Black Rainbow oder Hinter dem Spiegel | Theater Bremen

Am 27. Oktober wird der Regenbogen schwarz. Stranger Things geht in die zweite Staffel und passend zu dieser Nachricht aus dem zeitgenössischen Streaming-Serien-Kosmos wird Black Rainbow aufgeführt. Ein dystopisches Tanztheaterstück, das sich Science Fiction Freund*innen gern ansehen sollten.

Ich schreibe diese Zeilen, nur mit den Hinweisen aus jenem Schnipsel, den das Theater samt Ensemble im Themenabend zu Black Rainbow auf der Probebühne Tanz gegeben hat. Black Rainbow heißt das neue Stück von Samir Akika und seinem Ensemble Unusual Symptoms. Mein erster Eindruck entsteht in dieser besonderen Situation: Probebühne, kleine Runde, kurze Einführung, unmittelbarer Kontakt zu Tänzer*innen, Musiker*innen, Dramaturgie und Team. Und doch muss ich meine Eindrücke schon jetzt loswerden, denn: meine Vorfreude auf die Premiere könnte nicht größer sein.

Nach Polaroids der Regenbogen, Eindrücke aus der Sneak Preview im Rahmen von Einsichten

Das aktuelle Stück „Black Rainbow“ folgt auf das sehr perfomative Stück Polaroids und will bewusst nicht in seine Fußstapfen treten. Black Rainbow bearbeitet die Dystopie. Die sprichwörtlichen dunklen Utopie-Entwürfe und will uns mit Zitaten aus Science Fiction, Kunst, Kultur verschiedene Zukunftsvisionen präsentieren. So ist das Verhältnis von Mensch und Maschine ein wichtiges Thema. Ich dachte sofort an die Körperfresser und andere Filme. Türrahmen, hinter Türrahmen geben in einem Bild, welches vielleicht in der finalen Fassung gar nicht existiert noch so ein Matrixgefühl, oder doch ein Magrittegefühl? Surreal oder fantasmatisch. Die tänzerische Darstellung von Roboter/Mutantentransformation und Mensch gelingt. Natürlich können wir uns alle die grundlegenden Fragen von Ethik und Künstlicher Intelligenz stellen. Das Internet der Dinge ist überall und freundliche Bots möchten uns gern die ein oder andere Aufgabe abnehmen. Das Überwachungspotential blenden wir aus Bequemlichkeit gern schnell aus. Die im Stück entstandene postapokalyptische Stimmung passt zu den zeitgenössischen Zukunftsfragen genauso wie zu den Stimmungsbildern aus Star Wars oder. Black Rainbow will nicht narrativ sein, sondern versteht sich als poetischer Entwurf. Das Stück wurde sozusagen beim Proben geschrieben, seine Entstehung wird als skulpturaler Prozess beschrieben. Im Ausschnitt wird eine sehr intensive Sequenz gezeigt, die das spiegellastige Bühnenbild mit sehr hypnotisch-dynamischer Musik verbindet. Eigentlich denke ich da zwischendurch gern an Math-Rock. Sechs Tänzer*innen wird man im Stück sehen. Einer davon ist ein Quereinsteiger aus dem Hiphop, was die Intertextualität unterstreicht. Die drei Musiker der Polaroids-Band sind ebenfalls wieder dabei.
Ich bin jetzt sehr gespannt und freue mich riesig auf die Premiere und berichte dann gern.

Das Stück

Der Raum ist einfach und doch facettenreich. Verschiedene Spiegel geben der Bühne schon zum Start mehrere Dimensionen. Die Band und auch ein, zwei Tänzer sind bereits beim Reingehen zu sehen. Mit der Musik setzen verschiedene Wellen von Aktion und auch Düsterkeit ein. Es gibt anfangs einen Moment, in dem die Musik aussetzt und uns kurz innehalten lässt. Später wieder viele Begegnungen im Spiegel und in der Qual. Vergleichbar mit der Landung eines Ufos, eines Meteoriteneinschlags. Es braucht keine Untertitel oder Erklärungen. Jede*r findet sein Verschwörungsbild oder den passenden Hinweis zu utopischen Gesellschaftsentwürfen. Natürlich wird Beklemmung provoziert, aber innerlich findet bei den Zuschauer*innen ein Abarbeiten am Stoff statt. Es ist düster und dynamisch. Es gibt Überraschungen. Ich denke an den Boden der Tatsachen im Zeitalter des Glitzereinhorns. Kann es eine bessere Beschreibung für jenen Boden als Black Rainbow geben?

Besetzung Black Rainbow

Ying Yun Chen, Christian Drewicke, Gabrio Gabrielli, Jordan Gigout, Pilgyun Jeong, Antonio Stella

Choreografie Samir Akika
Ausstattung Elena Ortega
Musik jayrope, Simon Camatta, Stefan Kirchhoff
Licht Joachim Grindel
Video / Künstlerische Mitarbeit Julia Müller, J.
Dramaturgie Gregor Runge


Termine

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 20:00 Uhr / Voraufführung
Freitag, 27. Oktober 2017, 20:00 Uhr / Premiere
Donnerstag, 09. November 2017, 20:00 – 22:00 Uhr
Mittwoch, 22. November 2017, 20:00 – 22:00 Uhr
Mittwoch, 17. Januar 2018, 20:00 UhrBlack Rainbow Theater Bremen Sketchnote

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3 Kommentare

  • Antworten Wochenend-Ausgehtipps für Bremen vom 27. - 29.10.17 27. Oktober 2017 at 13:17

    […] Ich war selbst noch nicht da, aber denke, dass es sehr spannend sein kann. Ich freue mich auf Black Rainbow, eine neue Tanztheaterpremiere. Im G18 spielen Finisterre und Causes ab 21Uhr auf. <a […]

  • Antworten jayrope 29. Oktober 2017 at 12:27

    Dicken Dank für die Blumen!

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